Bagger und Blasen
Ich wache neben dem Bagger und der Bauwagenhütte auf. Es ist 6 Uhr und es regnet. Ein guter Grund, nochmals einzuschlafen. Um 10 Uhr soll es aufhören. Von mir aus – ich fühle mich im Grunde gut, nur meine Füße machen ernste Probleme. Ich kann keinen Schritt tun ohne Schmerzen.
Aufbruch Richtung Naglestad – wegelos
Ich humpel in die schiefe Bauwagenhütte, mache dort Frühstück und beklebe meine Füße neu. Ich habe kein Tape mehr, nur noch ein Compeed Silikonblasenpflaster. Es gibt vereinzelte Stellen ohne Blasen am Fuß. Immerhin.
Für die maximale Polsterung trage ich Linersocken, Wandersocken und schließlich meine Sealskinz. Die sind für kalte Sumpftage gedacht, eigentlich jetzt viel zu warm.
Ich packe alle Sachen relativ trocken ein und um 12 Uhr gehe ich los. Nach den ersten Schritten fühle ich bereits, dass dies ein langer Tag wird – und auch ein Tag mit sehr wenigen Tageskilometern.
Es geht sofort steil bergauf weiter, alle 50 Meter bleibe ich stehen. Die Füße pochen schmerzhaft. Nach einer Pause wieder loszugehen, ist allerdings noch schmerzhafter. Als würde jemand ein heißes Bügeleisen von der Haut reißen und die Haut mitziehen.
Wegelos durch sumpfiges Terrain
Als der steile Wildweg endet, stehe ich vor einem hängenden Tal. Gegenüber eine aufsteigende Hügelformation, ein Bach schlängelt sich daran vorbei. Ich muss entweder bachaufwärts um diese Hügeln herumlaufen oder gerade über die Hügel marschieren.

Vor dieser Entscheidung muss ich erst noch einen grasig-sumpfigen Bereich überwinden.
Das bekannte Spiel beginnt: Von einem erhöhten Grasbüschel zum nächsten. Ich rutsche immer wieder seitlich ab, die Füße winseln um Erbarmen – ich prügel mich gnadenlos über die Wiese und weiter bachaufwärts, eine 4 Meter hohe senkrechte Granitwand entlang dieser Hügelkette verriegelt den Zustieg für mich.
Zivilisation erreicht
Bei Mygland – unterhalb der Gotogheiå (552m) – stoße ich auf erste Hütten und es beginnt wieder ein Wanderweg und schließlich eine Straße. Ich gebe den Füßen ein Pause, wechsle auf Laufschuhe. Ich eiere steil bergab nach Naglestad, teilweise rückwärts gehend, dann nach Iveland.

Alles zu schräg zum Zelten
Es ist bereits spät. Das Gelände ist zu schräg und zugewachsen für einen Zeltaufbau, ich schaue nun links und rechts des Weges.
Irgendwann geht ein Privatweg in den Wald. Ich finde dort eine Senke auf weichem Waldboden, in dessen Nähe ein Bach talwärts plätschert. Nicht ideal, denn eine hohe Kondensation ist hier vorprogrammiert, die kalte Luft wird sich nachts in dieser Senke sammeln. Das ist mir jetzt egal. Ich habe keine 8 Kilometer geschafft. Auch das ist mir jetzt egal.
Ich mache mir Bulgur mit Gemüse und einen kräftigen Ceylontee. Meine Füße schaue ich mir gar nicht, ich möchte Sie diese Nacht einfach mal vergessen.